Beflügelt von Lars Schulze | #kaufinbranne | Online-Marketing-Berater | Brandenburg/Havel

Beflügelt von Lars Schulze | #kaufinbranne | Online-Marketing-Berater | Brandenburg/Havel

Tolle Leute |

© Johannes F. Räbel | TH Brandenburg

Beruflich wie privat hat Lars Schulze viel von der Welt gesehen, doch leben möchte er nur in Brandenburg an der Havel. Mit seiner Liebe für die Stadt, in der der Marketing-Experte und Unternehmer glücklich mit seiner Frau und seinen beiden Kindern lebt, hat er die Initiative #kaufinbranne ins Leben gerufen. Mit dieser greift er lokalen Geschäften und Dienstleistungen während der Corona-Krise unter die Arme und trägt so zum Erhalt der Lebensqualität in Brandenburg bei. Wie und warum er das macht, darüber haben wir mit ihm gesprochen.

Du hast die Initiative #kaufinbranne gegründet: Wie kam es zu Deiner Idee, lokale Geschäfte und Dienstleistungen in Brandenburg an der Havel zu unterstützen?

Ich bin Online-Marketing-Berater, organisiere u. a. Workshops und halte Vorträge. Als die Coronakrise kam, gab es in diesem Bereich nicht mehr so viel zu tun. Auch bei meiner Frau, die als selbstständige Fotografin tätig ist, wurde es beruflich ruhiger. Dann lasen wir in der Zeitung, dass die Geschäfte schließen müssen. Parallel gab es die ersten Spendenaufrufe einiger Händler, die fortan nicht mehr wussten, wie sie ihre Miete weiterzahlen sollen. Da war für uns klar, dass wir unseren lokalen Geschäften und Selbstständigen unbedingt helfen möchten. Der erste Gedanke war, dass die Herstellung und Verteilung von Mund-Nasen-Masken hilfreich sein kann. Zu diesem Zeitpunkt war das Tragen der Masken noch umstritten. Doch Asien ging da beispielhaft voran und wir erachteten diese Maßnahme als sinnvoll. Das war sozusagen der Aufschlag für #kaufinbranne. Es gab bereits ein paar Rentner*innen und Schneider*innen, die freiwillig Masken nähten und verschenkten. Doch sie konnten nicht für alle kostenfrei Masken nähen. Und im Pflegebereich beispielsweise konnten diese selbstgenähten Masken auch keine Verwendung finden. Doch die benötigten medizinischen Masken konnten oft nicht von den Arbeitgebern gestellt werden. Wir haben nach einer Lösung für dieses Problem gesucht und uns das Modell überlegt, dass Bürger*innen für jede gekaufte Maske 12,00 Euro zahlen und wir dafür eine zweite Maske an eine Person spenden, der sie wirklich braucht. So konnten wir u. a. an Hebammen, Physiotherapeuten, Taxifahrer*innen, Schaffner*innen und an eine Behindertenwerkstatt spenden. Schätzungsweise konnten wir auch alle Pflegedienste in der Stadt mit Spenden versorgen. Das Herzgewinnendste waren die Kinder im SOS-Kinderdorf, die sich sehr über die Masken freuten.

© Lars Schulze
© Lars Schulze

In den ersten vier Wochen haben wir über 3.000 Masken verteilt. Meine Frau hat diese im Schlafzimmer verpackt und ich habe sie dann gemeinsam mit meiner Mutter und einem Schüler per Fahrrad ausgefahren. Danach kamen sogar die Firmen auf uns zu. Als das RKI verkündete, dass Masken doch Sinn machen, traten auch die Verkehrsbetriebe an uns heran und wir kümmerten uns zusammen um Masken für die Fahrer*innen. Beworben haben wir die Aktion über unsere Website, die wir kurzerhand aufgebaut und ins Netz gestellt haben. Parallel haben für unser Schaffen schnell mediale Aufmerksamkeit erhalten. Wir waren im lokalen Fernsehen und in der Zeitung. Letztlich haben wir es tatsächlich geschafft zehn Schneider*innen in Arbeit zu versetzen und zwei Schneiderinnen aus der Kurzarbeit zurückholen. Von den Brandenburgerinnen und Brandenburgern haben wir von Beginn an sehr viel Unterstützung erfahren. So halfen uns viele Menschen in den ersten Tagen mit Material für die Masken aus, z. B. mit Gummilitzen.

Mit welchen weiteren Aktionen habt Ihr Brandenburgs Einzelhändler noch unterstützt?

Die nächste Idee entwickelten wir als bekanntgegeben wurde, dass die Geschäfte langsam wieder öffnen dürfen. Die Einzelhändler brauchten schnell Plakate, mit denen sie die einzuhaltenden Schutzmaßnahmen in ihren Geschäften kommunizieren konnten. Jedoch kann sich nicht jeder Einzelhändler an eine Werbeagentur wenden oder die Plakate selber drucken. Daher haben wir uns gemeinsam mit einem grafikaffinen Studenten fünf Plakatmotive überlegt und gestaltet, mit denen die wichtigsten Botschaften kommuniziert werden können. Zum Beispiel die Information, welche Schutzmaßnahmen einzuhalten sind. Zusätzlich zu diesen Motiven entwarfen wir noch ein Plakat, mit dem wir in der Stadt für das lokale Einkaufen werben, #kaufinbranne eben. Wir haben auch schnell eine Druckerei gefunden. Und als sich die Einzelhändler Montagfrüh auf ihre Wiedereröffnung vorbereiteten, hatten wir unser Angebot fertig und in die Webseite eingebunden. Wir haben 8,00 Euro pro Plakatpaket angesetzt, von diesen spenden wir 3,00 Euro an die Brandenburger Tafel und 5,00 Euro gingen an die Druckerei. Rund 50 Einzelhändler haben diese erworben und in ihren Läden ausgehangen. Die Einzelhändler waren total glücklich und wir konnten nicht nur diese,  sondern auch die Tafel unterstützen.

© Lars Schulze
© Lars Schulze

Wir vernetzen aber auch Angebote Dritter auf unserem Portal www.kaufinbranne.de. Beispielsweise gibt es einen Skateladen (www.nesk8-shop.de) hier in der Stadt, welcher ein Soli-Shirt mit dem Motiv „Bleib stark, Branne“ entwickelt hat.  Von dessen Verkaufserlös geht ein großer Teil ebenfalls an die Tafel.

Welche Aktionen sind noch in Planung?

Unser neues Projekt kann man sich bereits auf unserer Seite anschauen. Wir haben uns überlegt, dass wir Einzelhändlern, die tolle Angebote zur Überbrückung dieser Situation haben oder insgesamt mit ihrem Wirken einen positiven Beitrag zum Leben in Brandenburg leisten, eine Plattform geben wollen. Zusammen mit dem Moderator Tobi Borchers – ebenfalls Brandenburger –  haben wir einen Vlog aufgesetzt, also ein Video-Podcast-Blog-Format, mit dem wir diesen Menschen „Gehör und Gesicht verleihen“. Der erste Beitrag mit Taraxacum ist super angekommen und weitere sind jetzt geplant.

Wie kann man sich beteiligen?

Alle Leute, die Lust haben mitzumachen, sind willkommen oder können für eigene Aktionen die Plattform #kaufinbranne nutzen. Wir sind sozusagen eine kleine Open Source-Initiative.

Gibt es für die Initiative #kaufinbranne und dem daraus wachsenden Netzwerk Zukunftspläne über die Zeit der Krise hinaus?

Zugunsten der Nachhaltigkeit, der Reduktion von CO2-Foodprint und dem Erhalt der lokalen Wirtschaft, möchten wir mit #kaufinbranne gerne dazu beitragen, dass sich Kundinnen und Kunden wieder stärker auf das lokale Einkaufen besinnen – auch über die Krise hinaus. Durch die Coronakrise erfährt die Notwendigkeit zur Stärkung der lokalen Strukturen große Aufmerksamkeit. Durch unsere Initiative hat sich ein tolles Netzwerk von hier ansässigen Menschen gebildet, die gerne einen Beitrag für eine positive Entwicklung in Branne leisten möchten. Wir wollen versuchen, diese positive Energie irgendwie am Leben zu erhalten. Konkrete Ideen gibt es aber noch nicht.

Was machst Du ansonsten?

Ich bin Online-Marketing-Berater, gebe Workshops, halte Vorträge und berate in den Bereichen Onlinemarketing, Digital Marketings, Social Media, Inbound-Marketing, B2B-Marketing und Blockchain. Vor allem das Thema Blockchain und alles, was in diesem Bereich passiert, inspiriert mich und treibt mich für die Zukunft an.

© Johannes F. Räbel | TH Brandenburg

Kannst Du der Krise auch etwas Positives abgewinnen?

Ja, total. Ich glaube, dass sich viele Menschen wieder mehr auf die wichtigen Dinge im Leben besinnen und darauf, was ihnen gut tut. Durch die Krise wurden viele auch auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Sie merkten, wie schnell es vorbei oder nicht mehr lustig sein kann.  Auch wenn es mit den Verschwörungstheoretikern in den sozialen Netzwerken manchmal anders aussieht, habe ich zu spüren bekommen, dass eine enorme Hilfsbereitschaft da ist. Es gibt so viele freundliche, liebe, tolle Menschen da draußen, die einfach Gutes tun.

Abschließend: Wo würden wir Dich nach überstandener Pandemie in „Branne“ öfter antreffen, bzw. welche Lieblingsorte hast Du hier?

Vor allem nach der BUGA ist die Innenstadt Brandenburgs wirklich fantastisch geworden. Wenn man früher mitten in der Woche um 11:00 Uhr durch Brandenburg gelaufen ist, war die Stadt leer. Auch abends waren die Bürgersteige hochgeklappt. Doch heute ist es fast wie in einer Urlaubsregion – besonders in der Hauptstraße und entlang der Jahrtausendbrücke. In Brandenburg an der Havel kann man flanieren, das Leben und die Natur genießen … und auch super segeln. Der Breitlingsee eignet sich dafür sehr gut –  übrigens auch zum Kitesurfen und das ist nicht an vielen Seen erlaubt. In Berlin gibt es den Founders Kite Club, den ich daher hierherholen möchte. Du kannst hier mitten in der Stadt auch rudern und Standup-Paddeln. Man kann sich kaum vorstellen, wie viele Leute hier mittlerweile mit ihren SUP-Boards unterwegs sind, auch so zur Arbeit fahren. Unsere Parks sind alle grün und hergerichtet. Hier spazieren zu gehen, ist unglaublich. Ich hatte mal einen Investmentbanker aus London hier, der die ganze Welt gesehen hat. Wir sind zwei Stunden durch Brandenburg spaziert und er hat sich nicht mehr eingekriegt, weil er unsere Stadt so schön fand. Er ist ständig stehen geblieben, hat Fotos gemacht und wollte alles zu unserer Stadt wissen. Das ist den Brandenburgerinnen und Brandenburgern gar nicht so bewusst, wie schön es hier eigentlich geworden ist. Aufgrund des Unternehmertums, der sich hier entwickelt hat, der Wichtigkeit von Work-Life-Balance sowie der Einfachheit von Remote Work, habe ich auch die Vision entwickelt, dass Brandenburg zum Silicon Valley von Berlin werden könnte – das „Havel Valley“. In Berlin wird das Leben immer teurer, die Mieten explodieren und Bürokosten kann man sich als Start-up fast nicht mehr leisten. Doch hier kann man Work-Life-Balance haben, Sport treiben und in der Natur sein. Und es gibt noch genug Grundstücke. Vom Zoo aus ist man mit dem Regionalexpress in 40 Minuten hier. Vielleicht ist das eine kleine Chance. Denn ich glaube, wir haben hier echt eine Riesenchance, mehr aus Branne zu machen.

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